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Rollenbilder und Geschlechterklischees in Journalismus und Werbung - Ein Symposium

27. März 2015

Der kritische und konstruktive Dialog stand im Mittelpunkt des Symposiums „Wahlverwandtschaften – Rollenbilder und Geschlechterklischees in Journalismus und Werbung“ – bereits zum zweiten Mal kooperierten das Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, die MA 57 – Frauenabteilung der Stadt Wien, die Werbewatchgroup Wien und der Österreichische Werberat, um Fragen rund um die bildliche Darstellung von Geschlecht in Werbung und Journalismus nachzugehen. Das Symposium versammelte ca. 100 Personen, PraktikerInnen aus der Werbung, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen und Interessierte, um sich dem Thema Geschlechterstereotype in den Medien ausführlich zu widmen. Durch den Nachmittag führte Konrad Mitschka.

 

In Vertretung für Frauenstadträtin Sandra Frauen betonte Marion Gebhart, Leiterin der Frauenabteilung MA 57, der Eröffnung die Rolle von Werbung und Journalismus bei der Vermittlung von positiven Rollenbildern. Sie begrüßte auch positive Veränderungen wie die bevor stehende erstmalige Verleihung des „Glass Lion“, Sonderpreis des begehrten „Golden Lion“, der jährlich in Cannes verliehen wird und in der Werbewirtschaft sehr begehrt ist. Mit diesem Preis werden im Juni dieses Jahres erstmals progressive Geschlechterbilder in der Werbung ausgezeichnet. Das Ziel, das es letztlich zu erreichen gelte, sei eine menschengerechte Gesellschaft, die auch immer eine geschlechtergerechte sei und das könne nur gemeinsam erreicht werden, so ihre Forderung.

Michael Straberger, Präsident des Werberates, sah große Fortschritte durch die Selbstregulierung, denn Werbungen, die diskriminieren würden ohnehin mehr schaden als nutzen, Verbote seien daher nach seiner Meinung nicht notwendig.

 

In ihrem Vortrag, der sich mit dem ökonomisch begründeten Verhältnis von Journalismus und Werbung und dessen Auswirkung auf die mediale Repräsentation von Geschlecht beschäftigte, erklärte die Salzburger Kommunikationswissenschafterin Martina Thiele, was , unter Geschlechterstereotyp zu verstehen sei und welchem Wandel diese in den letzten Jahren unterzogen worden seien. Abschließend konstatierte sie: „Ja, die Geschlechterbilder in den Medien haben sich verändert. Sie sind vielfältiger geworden, deswegen aber nicht weniger stereotyp.“
Conchita Wurst als Werbetestimonial fordere auf jeden Fall Geschlechtergrenzen heraus und könne so auch gesellschaftliches Umdenken bewirken. Der Einfluss medialer Bilder sei unbestritten.

 

Die Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien Beate Wimmer-Puchinger lenkte in ihrem zusammenfassenden Statement nach dem Weltcafé, an dem sich das Publikum sehr engagiert beteiligt hatte, den Fokus auf Menschen mit Behinderung, die selten abgebildet würden und in der Idealisierung des Körpers nicht berücksichtigt würden. Das erschwere es, ein positives Körperbild zu entwickeln. Auch die Zahlen würden dafür sprechen, dass Jugendliche immer öfter mit negativen Körperbildern und Essstörungen zu kämpfen hätten. Davon betroffen seien vor allem Mädchen aber auch immer mehr Burschen, die durch die Rollenbilder auch gehörig unter Druck gerieten. Sie forderte die Medien und Werbung auf, hier Verantwortung zu übernehmen.

Ihr Vorschlag Medienbildung verstärkt in den Schulen einzuführen, wurde auch von ihren Nachrednerinnen und Tischmoderatorinnen des Weltcafés, der Journalistin Ina Freudenschuss und der Werberin Louisa Böhringer aufgegriffen. Petra Herczeg von der Universität Wien plädierte auch für echten Pluralismus, der nicht an der Oberfläche hängen bleibe.

 

Die abschließende Podiumsdiskussion rückte noch einmal die Rolle des Journalismus stärker in den Fokus: Welche Verantwortung und welche Möglichkeiten haben Journalistinnen und Journalisten? Wie können sie zu einem Wandel der Rollenstereotype beitragen? Die Journalistin Tessa Prager, die ihre Kolleginnen und Kollegen hier immer wieder zur Verantwortung ruft, betonte, dass es nicht allein Aufgabe von (jungen) Journalistinnen sein könne, feministische Themen aufzugreifen und sich für Frauenförderung einzusetzen. Auch für Markus Deutsch vom Fachverband Werbung ist die ideale Werbung frei von Sexismus, denn Gleichberechtigung hat Priorität. Zuviel Regulierung hält er dennoch für kontraproduktiv. Er geht von aufgeklärten Konsumentinnen und Konsumenten aus, denen bewusst ist, dass Werbebilder zu 100% bearbeitet sind. Eine Kennzeichnung von retuschierten Fotos ist daher überflüssig.
Das konterte Ulli Weish von der Universität Wien mit dem Verweis, dass in den USA manch Superman-Kostüm die Warnung aufweise, dass damit nicht geflogen werden könne. Sie appellierte aber auch an die Zivilgesellschaft, die ihre Macht wahrnehmen solle, denn beschweren wirkt! Als Expertin der Werbewatchgroup Wien wisse sie, dass Sensibilisierung möglich sei.
Auch in die journalistische Praxis könne mit LeserInnenbriefen interveniert werden und diese haben Einfluss, das bestätigt auch Tessa Prager

 

Während schnell geklärt war, dass das Ziel Gleichberechtigung ist, wird die Frage, wie diese in medialen Bildern zu erreichen ist, noch länger beschäftigen.

 


Weiterlesen:
http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=3358&koobi=91d1dd547bfe7594f6b02f395d0d0f69


http://diestandard.at/2000013503388/Wie-schlechter-Journalismus-sexistische-Bilder-verbreitet 


http://werberat.at/news_180.aspx